Besuchendenlenkung beim Arena-Neubau: Das gesamte Areal von Anfang an mitdenken

Entsteht auf einem bestehenden Sport- und Freizeitareal eine neue Multifunktionsarena, dann geht es um mehr als nur die Planung eines zusätzlichen Veranstaltungsgebäudes. Denn auch die Wegebeziehungen verändern sich: von Haltestellen und Parkflächen über gemeinsame Zu- und Abwege bis hin zu den Ein- und Ausgängen. Wird die Besuchendenlenkung frühzeitig berücksichtigt, kann sie essenzielle Informationen in die Bauplanung einbringen, bevor bauliche Fakten geschaffen werden.

Nicht selten wird ein Gelände, auf dem der Neubau einer Arena geplant wird, bereits durch ein vorhandenes Stadion, Trainingsanlagen und weitere Freizeitangebote geprägt. Besuchende erreichen das Gelände mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto, nutzen dabei unterschiedliche Zu- und Abwege und verteilen sich so auf die vorhandenen Einrichtungen. Parkmöglichkeiten liegen durch die stetige Weiterentwicklung der Verkehrsanbindungen oft an verschiedenen Stellen des Geländes. In dieses bestehende System soll nun eine zusätzliche Multifunktionsarena eingebunden werden.

Die zentrale Frage ist daher nicht allein, wie die Besuchenden in die neue Arena gelangen, sondern vor allem wie sich ihre Wege mit den bestehenden Besuchendenströmen verbinden. Welche Flächen werden künftig gemeinsam genutzt? Was geschieht, wenn im Stadion und in der Arena gleichzeitig Veranstaltungen stattfinden? Und welche Anforderungen ergeben sich daraus für Wege, Eingangsbereiche und Kontrollstellen?

Besuchendenlenkung in der frühen Planung

In der Planungsphase lassen sich grundlegende räumliche Entscheidungen noch überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Dazu gehören die Ausrichtung der Arena, die Lage ihrer Ein- und Ausgänge und die Anbindung an vorhandene Wege. Auch zusätzliche Verbindungen oder Veränderungen an bestehenden Zu- und Abwegen können zu diesem Zeitpunkt in die Planung einfließen.

Das Ziel der frühen Untersuchung ist, einen möglichen Anpassungsbedarf sichtbar zu machen, bevor die betreffenden Flächen und geplanten Gebäude festgelegt werden. Dabei reicht es nicht aus, nur den unmittelbaren Bereich um die neue Arena zu betrachten. Ein gut dimensionierter Eingang beantwortet noch nicht die Frage, ob die vorgelagerten Wege die ankommenden Personen aufnehmen können. Zusätzlich muss geprüft werden, wie sich die Besuchenden aus den unterschiedlichen Richtungen auf die Zugänge verteilen.

Die Funktion des Areals verstehen

Der erste Schritt ist immer die Bestandsaufnahme. Sie erfasst die Wegebeziehungen zwischen den Verkehrsanbindungen, Parkmöglichkeiten und einzelnen Einrichtungen. Betrachtet werden die An- und Abfahrten ebenso wie die Fußwege, Zu- und Abgänge und die Kontrollstellen.

Dabei geht es nicht nur darum, vorhandene Wege auf einem Plan einzuzeichnen. Entscheidend ist ihre Funktion. Welche Besuchenden kommen aus welcher Richtung? Welche Wege führen zu welchen Zielen? Wo werden Flächen gemeinsam genutzt, und an welchen Stellen treffen unterschiedliche Ströme aufeinander?

Räumlich verteilte Parkmöglichkeiten müssen ebenso einbezogen werden wie bestehende und geplante Anbindungen an den öffentlichen Verkehr. Für die neue Arena ist anschließend zu klären, welche dieser Verbindungen genutzt werden können und wo Ergänzungen erforderlich sind.

Diese Bestandsaufnahme bildet die Grundlage für die weitere Planung. Erst wenn die bestehenden Beziehungen verstanden sind, lässt sich nachvollziehen, wie der Neubau das Gesamtsystem verändert.

Mehrere Nutzungsszenarien betrachten

Ein Besuchendenlenkungskonzept muss unterschiedliche Veranstaltungs- und Nutzungssituationen abbilden. Eine einzelne Veranstaltung in der neuen Arena stellt andere Anforderungen an das System als ein Veranstaltungstag, an dem gleichzeitig das bestehende Stadion und weitere Einrichtungen genutzt werden.

Deshalb werden zunächst Bespielungsszenarien für das gesamte Areal definiert. Dazu gehören Veranstaltungen im Stadion oder in der Arena ebenso wie die parallele Nutzung beider Veranstaltungsorte. Auch unterschiedliche Kombinationen aus Sport- und Konzertbetrieb sind zu betrachten.

Neben der Art der Veranstaltungen spielt ihr zeitlicher Ablauf eine wesentliche Rolle. Beginnen zwei Veranstaltungen zu ähnlichen Zeiten, können sich ihre Anreisephasen überlagern. Endet eine Veranstaltung, während die Besuchenden der nächsten eintreffen, begegnen sich ankommende und abreisende Personen möglicherweise auf denselben Wegen. Auch die übrigen Sport- und Freizeitangebote dürfen bei dieser Betrachtung nicht fehlen.

Die Szenarien legen fest, welche Situationen untersucht werden müssen. Sie schaffen die Arbeitsgrundlage für die anschließende Prüfung der Wege und Kapazitäten.

Wegekapazitäten im Zusammenhang prüfen

Auf Basis der verschiedenen Szenarien lässt sich nun prüfen, ob die vorhandenen Zu- und Abwege für die künftige Nutzung ausreichen. Dabei ist jeder Weg als Teil einer zusammenhängenden Verbindung zu betrachten: von der Haltestelle oder Parkfläche über den Zugang zum Areal bis zur Kontrollstelle und zum Eingang.

Die Prüfung kann zeigen, welche Abschnitte künftig von zusätzlichen Besuchendenströmen beansprucht werden. Ein bislang überwiegend für das Stadion genutzter Weg kann durch die neue Arena eine weitere Funktion erhalten. Eine Verbindung, die für eine einzelne Veranstaltung ausreicht, kann für Parallelveranstaltungen zu klein sein.

Für die Dimensionierung von Wegen innerhalb des Systems werden Richtungsverkehr, Gegenverkehr und das Lenkungsverhalten der Besucher betrachtet und daraus die Kapazität eines Weges ermittelt. Diese wird dann mit der voraussichtlichen Belastung abgeglichen. Können Wege nicht angepasst werden, so muss durch entsprechende Betriebsregeln sichergestellt werden, dass die vorab festgelegte Maximallast nicht überschritten wird.

Personenströme berechnen und Veränderungen sichtbar machen

Im nächsten Schritt werden die Personenströme für die definierten Szenarien berechnet und den jeweiligen Wegen und Zugängen zugeordnet. Dabei wird untersucht, wie sich die Besuchenden räumlich und zeitlich verteilen und welche Anforderungen daraus entstehen.

Die Ergebnisse sollen diese Auswirkungen nachvollziehbar machen. Aus ihnen lassen sich anschließend konkrete Planungsoptionen ableiten, etwa eine andere Anordnung der Eingänge, zusätzliche Verbindungen oder Anpassungen an gemeinsam genutzten Wegen. Auch eine räumliche oder zeitliche Entzerrung von Besuchendenströmen kann als Option geprüft werden.

Eine Problematik beim Parallelbetrieb von mehreren Veranstaltungsorten entsteht vor allem durch die Gleichzeitigkeit von Besucherspitzen in der An- und Abreise. Hierzu müssen Annahmen zum Besucherverhalten getroffen werden genauso wie zur tatsächlichen, zeitlichen Durchführung der parallel geplanten Veranstaltungen.

So kann durch Verlängerung oder Elfmeterschießen bei einem Fußballspiel die Abreisespitze plötzlich in einen Bereich fallen, in dem durch die Anreisespitze einer Konzerthalle das Wegesystem über den tolerierbaren Bereich hinaus belastet wird.

Das bedeutet, dass neben der baulichen und strukturellen Gestaltung auch frühzeitig Festlegungen zu möglichen Spielzeiten und zum Umgang mit kurzfristigen Änderungen des Zeitplans zwischen den Betreibern getroffen werden müssen.

Welche Maßnahmen tatsächlich erforderlich und geeignet sind, ergibt sich aus der Überprüfung. Sie sollten nicht vorweggenommen, sondern anhand der jeweiligen Szenarien und Kapazitäten begründet werden.

Gesamtkonzept statt Einzellösungen

Die Konzeption der Besuchendenströme folgt einer klaren Systematik: Zunächst werden die Nutzungsszenarien definiert, dann die Wegebeziehungen geklärt und die Kapazitäten geprüft. Darauf aufbauend werden die Personenströme berechnet und die erforderlichen Maßnahmen abgeleitet.

Bauliche und betriebliche Lösungen sind dabei aufeinander abzustimmen. So wird deutlich, welche Anforderungen bereits in der Bauplanung berücksichtigt werden müssen und welche im späteren Betrieb zu organisieren sind.

Zukunftsfähig ist das Konzept dann, wenn es nicht nur einen einzelnen Veranstaltungsfall betrachtet, sondern die vorgesehenen unterschiedlichen Formate und Nutzungskombinationen des Areals einbezieht.

Fazit: Die neue Arena beginnt planerisch nicht erst an ihrem Eingang

Eine neue Multifunktionsarena wird Teil eines bestehenden Systems, deshalb muss die Planung über das neue Gebäude hinausreichen.

Die frühe Untersuchung der Besuchendenlenkung schafft eine Grundlage, um diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und räumliche Entscheidungen rechtzeitig zu überprüfen. Sie zeigt, wo vorhandene Verbindungen weitergenutzt werden können, wo Anpassungsbedarf besteht und welche Bedingungen für die gemeinsame Nutzung des Areals gelten.

Besuchendenlenkung beginnt nicht am Eingang der neuen Arena – sondern dort, wo ihre Besuchenden auf ein bestehendes System treffen, in das die Arena eingebunden ist.